Tagebuch

März 2021 – Angeschlagen

Der März fängt mit einem grossen Platsch an – sehr unelegant stolpere ich beim Laufen über einen Stein und die eigenen Füsse, kann mich nicht mehr fangen und lande auf dem Boden. Zum Glück passiert nichts schlimmeres, mit aufgeschlagenen Knien, angekratztem Ego und einem Loch in der Laufhose geht es wieder nach Hause.

Ein paar Tage später erwischt es mich dann doch noch richtig und ich liege einige Tage mit Fieber flach. Dazu Kopfschmerzen und ein bisschen Atemprobleme, aber kein Husten oder sonstige Schnupfensympteme. Das bedeutet natürlich: ich habe einen Corona-Test gewonnen. Sogar zwei, erst einen Schnelltest, und ein paar Tage später auch noch einen PCR-Test. Beide sind negativ, und dann geht es mir auch langsam wieder besser. Was auch immer das war und wie auch immer man alleine daheim überhaupt noch einen Infekt bekommen kann.

Auch mein Rennrad muss zum Doktor. Dort stellt sich heraus, dass die Bremse so lärmt, weil irgendwo im Bremssystem etwas undicht ist und Öl auf die Scheibe kommt. Das muss komplett getauscht werden, aber leider ist das System erst Ende April wieder lieferbar. So heisst es vorsichtig fahren und gedulden…

Sowieso, es fühlt sich gerade alles sehr nach Warteschleife an – es passiert nicht viel und ändert sich kaum etwas. Warten auf die Corona-Impfung, warten auf die Fahrradreparatur, warten auf wärmeren Fluss zum Schwimmen.

Heute vor einem Jahr: Am 13. März 2020 ist mein freier Freitag. Für den Nachmittag ist die Pressekonferenz des Bundesrates angekündigt und es ist schon klar: Ab Montag wird sehr vieles anders sein. Eigentlich will ich die Steuererklärung machen, beschliesse aber spontan, doch nochmal nach Bern zu fahren. Dort futtere ich mich durch das Frühstücksbuffet in meinem Lieblingsrestaurant, besorge ein paar Sachen, von denen ich denke, dass ich sie in den nächsten Wochen brauchen werde (Therabänder, Erdnussbutter, Tee,…), gehe nochmal in den Laufladen und sammele ein Paar Laufschuhe meiner Lieblingsmarke ein, und spaziere wie immer noch ein bisschen durch die Altstadt und am Fluss entlang. Die Stimmung ist spürbar angespannt und alle sind schon auf Abstand bedacht. Später dann ist klar: Ab Montag ist alles zu, und mir brechen innerhalb von drei Tagen alle sozialen Kontakte weg – Arbeitskollegen, die Apfelfrau und die Gemüsefrau vom Markt, der nette Bademeister, die fröhliche Physio, das Team vom Fitness. Und so gerne ich auch alleine bin, das zieht mir dann doch erstmal den Boden unter den Füssen weg und erschüttert mich nachhaltig.

(Das wird vermutlich auch das erste sein, was ich nach der Impfung machen werde: Einen Tag freinehmen, nach Bern fahren, Torte essen. Und vielleicht alle umarmen, die nicht schnell genug wegrennen.)

Ende März ist dann plötzlich Frühling – es ist warm und sonnig, und so laufe ich durch Wälder voller Buschwindröschen und radle durch Wiesen voller Löwenzahn. So, so schön!

Gegessen:
Quinoa-Erdnuss-Auflauf mit Erbsen und Möhren
Viele, viele Kiwis, Ingwer-Blutorangen-Tee und Beerentörtchen
Sehr viel Osterschoki, die macht bestimmt hoppelhasenschnell!

Geschaut:
Die neuen Folgen der Bewegungs-Docs

Gehört:
Podcast „Durch die Gegend“
Saybia – In Spite Of

Gesportelt:
Zwei Wochen Sportpause wegen Fieber. Daher viel spaziert. (Ich hasse spazieren.)

Herbstsonne im Frühling

Wieder ein Rezept der Sauerteig-Koryphäe Marla, das mir sehr gefällt – eine schön dicke, rustikale Kruste mit saftiger, körniger Krume, dazu von der Form her das allerschönste Brot von allen. Und trotz des Namens kann man die Herbstsonne natürlich auch wunderbar im Frühling backen. Entdeckt habe ich dieses Rezept bei „Einfach Guad“ und ein bisschen nach meinen Vorlieben abgewandelt.

Sauerteig

250 g Roggenvollkornmehl
250 g Wasser 42 Grad
35 g Anstellgut

Brühstück

50 g grobe Haferflocken
50 g geröstete Sonnenblumenkerne
35 g geschrotete Leinsamen
135 g Wasser 50-60 Grad

Brotteig

500 g Roggensauerteig
250 g Dinkelvollkornmehl
100 g Roggenvollkornmehl
50 g feine Haferflocken
18 g Salz
1 Teelöffel Brotgewürz
270 g Brühstück
Etwa 180 g Wasser mit einem Spritzer Zitronensaft

Am Vortag morgens das Sauerteig-Anstellgut frisch füttern.

Am Vortag abends den Sauerteig ansetzen. Dafür das Roggenmehl mit warmem Wasser verrühren, dann das Anstellgut unterrühren, die Schüssel abdecken und bei warmer Zimmertemperatur stehen lassen. Ausserdem das Brühstück ansetzen und nach dem Abkühlen abgedeckt in den Kühlschrank stellen.

Am Backtag vormittags: Alle Zutaten für den Brotteig verrühren und etwa 5 Min kneten lassen. 30 Min ruhen lassen, nochmals mit der Hand verkneten, dann rund wirken, anfeuchten und in Haferflocken wälzen. Im Gärkörbchen etwa 2 Stunden gehen lassen, bis sich das Volumen etwa verdoppelt hat.

In der Zwischenzeit auf die unterste Backofenschiene ein Backblech hängen, auf die zweitunterste ein Gitterrost. Den Ofen auf 250 Grad vorheizen, das dauert je nach Ofen etwa 30 Minuten!

Nach Ende der Gehzeit das Brot auf ein Bech mit Backpapier stürzen, mit einem Messer wie Sonnenstrahlen einschneiden und mit dem Backpapier auf das Gitterrost ziehen. 1 Minute auf 250 Grad backen. Dann einen kleinen Becher kochendes Wasser auf das untere Backblech schütten (VORSICHT, sehr heisser Dampf!) und die Tür schnell wieder schliessen. 9 Minuten auf 225 Grad weiterbacken. Die Ofentür kurz öffnen, den Dampf entweichen lassen und das Backblech entfernen. Das Brot weitere 50 Minuten bei 190 Grad fertigbacken.

Backzeit gesamt: Etwa 60 Minuten. Das Brot einen Tag reifen lassen, dann erst anschneiden.

Februar 2021 – Und was ist mit Tee?

Februar also. Endlich ist es wieder heller und freundlicher. Der viele Schnee aus dem Januar taut weg, und so beginnt der Monat mit Schlamm und Hochwasser. Die Stadt feiert Fasnacht, zumindest ein bisschen, mit Kunstwerken und Konfetti. Danach ist es nochmal eine Woche so frostig kalt, dass ich die Äpfel vom Balkon holen und vorübergehend im Treppenhaus lagern muss. Mitte Februar bricht dann plötzlich der Frühling aus, tagsüber ist es warm und sonnig, die ersten Blüten gucken aus der Erde und jemand müsste mal dringend Fenster putzen. So richtig bekomme ich das schöne Wetter aber nicht mit, weil es mich in einen arbeitstechnischem Wirbelwind hineinzieht, der mich in der letzten Februarwoche an meine Grenzen bringt. Das wird im nächsten Monat hoffentlich wieder besser.

Ich gewöhne mich wieder ans Homeoffice und finde in die entsprechenden Strukturen zurück: Erst Frühstück wegräumen, Haare kämmen, Zähne putzen, dann an den Rechner setzen. Naja, jedenfalls klappt das an den meisten Tagen, und so sitze ich nur selten noch mitten am Vormittag zerstrubbelt und im Pyjama vor dem Rechner. Ausserdem nutze ich die Gelegenheit, die tägliche Kanne Kräutertee durch andere Tees zu ergänzen, statt nach dem Leeren der Kanne wie im Büro auf Wasser umzusteigen.

Zuerst probiere ich mich durch einige Sorten Grüntee hindurch, mag das Ritual und gewöhne mich an den grasigen Geschmack. Dann bin ich aber auch ohne das zusätzliche Koffein schon genügend wach und krawallig unterwegs, dazu geht mir die aktuelle Wechseljahresphase so unfassbar auf die Nerven, dass ich herumgoogele und dann bei Frauenmantel- und Brennnessel-Tee ankomme (ausbleibende Menstruation ist ja sehr praktisch, stark schmerzende Brüste eher nicht so). Die werden jetzt ausprobiert, damit ich wenigstens das Gefühl habe, etwas zur Beruhigung vom Hormon-Chaos zu unternehmen.

Inzwischen habe ich einen Teil vom Krafttraining auf die Morgenstunden gelegt, um genug Ruhe dafür zu haben, das stellt sich als eine gute Lösung heraus. Sowieso, das konsequente Kraft- und Stabi-Training machen sich langsam positiv bemerkbar, Rücken und Schultern geht es besser, zurück zu weniger Schmerzen und mehr Beweglichkeit. Auch beim Laufen merke ich die Verbesserung, und zusammen mit der zurückkehrenden Energie bringt mir das einige schöne Laufrunden in der Morgendämmerung. Auch wenn mich noch jede Schnecke überholt. Und nicht mal zwei Jahre nach Eröffnung des Uferparks merke auch ich, dass es Brücken und Rampen gibt, um obendrüber zu laufen und dabei lustig zu poltern, statt einfach nur die Allee entlangzutraben.

Mehr Energie und Frühlingsluft sorgen dann auch für erste sehnsüchtige Blicke Richtung Hausberg, aber noch bleibe ich für Verbesserung der Grundlagenausdauer unten am Fluss. Und für sehnsüchtige Blicke Richtung Rennrad, aber dafür braucht es morgens noch etwas wärmere Temperaturen, und ausserdem muss es erstmal zum Service. Wohin gerade anscheinend ganz viele Fahrräder müssen, der nächstmögliche Termin ist in dreieinhalb Wochen… Stattdessen schreibe ich an den freundlichen Hersteller des zuckerhaltigen Heissgetränks, das mich über die langen Läufe im Winter bringt. Der Mailwechsel endet damit, dass das Produkt zur Qualitätsverbesserung aus dem Handel genommen wird. WEGEN MIR. Ich bin sehr beeindruckt. Und mache später jemanden glücklich, indem ich das letzte Paar der entsprechenden Lieblingslaufschuhe auftreibe.

Am Valentinstag stehe ich eine Stunde früher als eh schon auf, um nach dem sonntäglichen langen Lauf rechtzeitig mit 399 anderen Bekloppten am Rechner zu sitzen und einen der wenigen zusätzlichen Startplätze für den Jungfrau-Marathon zu ergattern. Die sind dann tatsächlich auch innerhalb von zehn Minuten weg, aber ich tippe schnell und habe meinen bereits nach zwei Minuten. Hurra! Auch wenn die Veranstaltung vermutlich nochmals abgesagt und auf nächstes Jahr verschoben wird (und es üblicherweise auch über die Tauschbörse kurzfristig noch Startplätze geben wird und ich zudem zu Verletzungen und Erschöpfungsphasen neige und vielleicht daher nicht teilnehmen kann): Mir ist der Startplatz wichtig, als Trainings-Motivations-Möhrchen und Ausblick darauf, wo ich hin will.

Zwischendurch versinke ich in den Aufnahmen und Dokumentationen rund um die Eiskunstlauf-Kür von Aljona Savchenko und Bruno Massot, die damit an den Olympischen Spielen 2018 die Goldmedaille gewonnen haben. Damals habe ich das gar nicht richtig mitbekommen und schaue eigentlich schon lange kein Eiskunstlauf mehr, aber hui, die ist so, so wunderschön, traumwandlerisch gelaufen und nicht zuletzt auch so schön mitzuerleben, wie die Trainer am Rand mitfiebern. Und gleichzeitig so traurig, dass im Moment so viele Träume sterben, weil Sport, Kunst und Co. nicht stattfinden können.

Wie schon in der HomeOffice-Zeit im letzten Frühling nutze ich inzwischen wieder jede Gelegenheit, zu der ich das Haus verlassen muss, um eine Extra-Runde mit dem Rad zu drehen, und kurve durch unsere Stadt und über die Brücken. Ab und zu aus Gründen kurz in die Firma, Physio, Wochenmarkt, Bioladen, Café sind die üblichen Stationen. Nach unserem alteingesessenen Bioladen und zwei Neueröffnungen in den letzten Jahren haben sich für dieses Jahr zwei weitere Bioläden angekündigt. So gut ich die Entwicklung finde und so gerne ich in den kleinen Läden das einkaufe, was ich auf dem Wochenmarkt nicht bekomme – fünf Bioläden in einer kleinen Stadt scheinen mir doch mehr, als wir brauchen.

(Ich vermisse meine Grosstante, das Schwimmbad und die Ausflüge nach Bern.)

Gegessen:
Erbsen-Fusilli mit Linsen-Bolognese
Bunter Bohneneintopf
Gemüse-Pizza mit Kichererbsen-Boden
Roggen-Dinkelbrot mit Amaranth-Pops
Avocados
Zitronenkuchen und, äh, noch mehr Zitronenkuchen

Geschaut:
Die aktuelle Staffel der Ernährungs-Docs
Aljona Savchenko and Bruno Massot – Gold Medal | Pairs Free Skating | PyeongChang 2018

Auf den Ohren:
„Bestzeit“-Podcast mit Philipp Pflieger und Ralf Scholt
ZIAN – Show You

Auf der Matte:
Das 9-Minuten-Workout – Prof. Ingo Froböse
Rückenübungen mit dem Theraband – Prof. Ingo Froböse

Januar 2021 – Monsterschneeflocken und Homeoffice

Januar. Januar war doof. Januar ist immer doof, der Monat, den ich nicht mag – kalt, dunkel, grau, trostlos, und es geht immer nur darum, irgendwie bis zum Februar durchzuhalten. Eine Pandemie hilft da auch nicht wirklich weiter.

Jedenfalls, es gab Schnee, das war irgendwie schon schön, so für einen kurzen Moment und den einen Abend, wo Monster-Schneeflocken umherwirbelten und mitten in der Altstadt Ski gelaufen wurde.

Außerdem ging es als letzte der Firma zurück ins Homeoffice. Solche Umstellungen stressen mich erstmal sehr, als Übersprungshandlung habe ich die Küche neu sortiert – Weihnachtsbackkrams in den Keller, schon lange nicht mehr gebrauchte Sachen wie die Muffinsformen verschenkt, dafür jetzt viel Platz für Brotbackzubehör und Co.

In meinem Lieblingscafé darf man nicht mehr sitzen, aber das gewohnte Mittwochs-Frühstück kann ich mir dafür nach Hause holen (und habe schnell eine Tasche mit Beuteln, Glas fürs Birchermüesli und Thermosbecher parat und jedesmal Freude am Zusammenpacken). Neu verschickt die Inhaberin jede Woche einen Newsletter. Ich hasse Newsletter, aber in diesem kommen so Wörter vor wie „Schokoladen-Moccagugelhöpfli“, und wie könnte man das nicht lieben?

Mein bevorzugter Marktstand erweitert sein Service-Angebot: man kann jetzt seinen Einkauf online vorbestellen und bekommt dann am Samstag morgen einfach eine Kiste hingestellt und muss nur noch umpacken und (per Handy) bezahlen.

Das Sportprogramm geht dafür ein bisschen unter, oft bin ich zu erschöpft zum Laufen und gehe einfach Spazieren, zum Yoga kommt nur ein bisschen Stabi und Balance Pad dazu. Mein Körper schaltet dazu anscheinend den nächsten Level der Wechseljahre frei, so praktisch wie nervig.

Lecker gekocht: Ofengerösteter Kürbis, Kartoffeln und rote Linsen in Tomaten-Erdnuss-Sauce.

Spass gehabt mit:
„To bring us sugar and tea and rum“ – Warum ein 200 Jahre alter Song viral geht

Auf den Ohren:
Kendji Girac feat. Gims – Dernier métro
Bastian Baker – Dancing Without You

Auf der Matte:
Top 5 Stabiübungen zum Mittrainieren für Läufer
BeBalanced Übungen: BalancedPower

Kuchen, Kühe und ein Berglauf

Anfang Juni 2020 wird nach den Frühjahrs-Laufveranstaltungen auch der für September geplante Jungfrau-Marathon wegen Corona abgesagt. Aber das Organisations-Team hat sich etwas einfallen lassen und bietet den „Jungfrau-Marathon Supporter Run“ an: Von Juni bis Oktober gibt es eine ausgeschilderte Strecke mit fest installierter Zeitmessung von Lauterbrunnen auf die Kleine Scheidegg. Es geht 9 Kilometer mit 1225 Höhenmetern den Berg hoch, zum Teil auf der Strecke vom Jungfrau-Marathon, zum Teil auf Wanderwegen, mit Startnummer und für jedes Tempo geeignet. Der Erlös geht an die vielen Vereine, die sonst helfen, den Jungfrau-Marathon auf die Beine zu stellen.

Das ist genau das Richtige für mich, denn es braucht kein so umfangreiches Training wie für einen Marathon und ins Berner Oberland wollte ich sowieso, nachdem der eigentlich geplante Ausflug an die Ostsee ebenfalls wegen Corona ausfällt. Ausserdem kann ich damit die Strecke vom Jungfrau-Marathon ausprobieren und schauen, ob ich als Höhenangsthase mir diesen in einem der nächsten Jahre zutrauen würde. Also schiebe ich Ferienwochen umher, reserviere mir für zwei Tage Anfang August ein schönes Hotelzimmer in der Nähe der Startlinie, und stürze mich begeistert ins Bergtraining. Die Bergbahnen dürfen inzwischen wieder fahren, und so kann ich unseren Hausberg am Jurasüdfuss nutzen: erst hochmarschieren, dann mit einer Gondel wieder runterfahren. Von oben hat man dazu eine herrliche Aussicht auf das Berner Oberland. Naja, bei gutem Wetter jedenfalls. Was nicht so oft vorkommt.

Anfang Juli passiert dann das, was nicht passieren sollte: Bei einem eigentlich völlig unspektakulärem Trainingslauf habe ich erst ein komisches Gefühl in der Wade, und ein paar Schritte später ist es dann schon zu spät: Muskelzerrung mit leichtem Muskelfaserriss. Fluchend humpele ich noch die drei Kilometer nach Hause und weiss schon, was mir der Physio mit strengem Blick später bestätigt: vier Wochen Laufpause und damit kein „Supporter Run“ wie geplant. Aber Wandern soll ja auch schön sein, und so entscheide ich mich, trotzdem zu fahren, behalte die Hotel-Reservierung und versuche, meine Wade mit den entsprechenden Übungen, leichtem Alternativtraining und gutem Zureden zur schnellen Heilung zu motivieren.

Anfang August kann ich zumindest wieder schmerzfrei gehen, und so packe ich die Wandersachen und fahre ins Berner Oberland. Es regnet, ich spaziere schlecht gelaunt erst durch Interlaken und dann an den vielen Wasserfällen vorbei durch das Lauterbrunnental, und die Murmeltiere gucken genauso unbegeistert wie ich. Zum Glück ist für die nächsten Tage besseres Wetter angesagt, und tatsächlich, am nächsten Morgen leuchtet die Sonne vom strahlend blauem Himmel. Nach dem Frühstück fahre ich daher mit der Gondelbahn hoch auf die Grütschalp und verbringe einen herrlichen Tag auf dem Mountain View Trail. Von dort aus kann man auch auf die Strecke vom „Supporter Run“ herunter­se­hen, und hui, das ist schon eine sehr lange Strecke, und alles nur bergauf… Und warum das Stück hoch nach Wengen „Die Wand“ genannt wird, verstehe ich dann jetzt auch.

Abends zurück im Hotelzimmer schaue ich mir die Karte, die Haltestellen und den Fahrplan der Wengernalpbahn an, und rechne und überlege, ob ich doch noch morgen vor dem Frühstück auf die Strecke gehen soll. Zumindest bis Wengen müsste ich es eigentlich schaffen. Vielleicht auch ein Stück weiter. Oder sogar ganz nach oben? Kurz denke ich darüber nach, mir doch noch die Startnummer abzuholen, aber dazu müsste ich mich nochmal aufstehen, und zudem halte ich es für eher unwahrscheinlich, dass ich es bis ins Ziel schaffe. Und ein DNF auf der Rangliste möchte ich keinesfalls. Meiner Wade geht es nach dem Wandertag aber immerhin erstaunlich gut, also packe ich meine Sachen zusammen und lege alles für eine frühe Wanderung parat.

Am nächsten Morgen stehe ich mit der beginnenden Dämmerung auf, esse eine Banane und einen Energieriegel, stelle meine Gepäcktasche an der Rezeption ab und schleiche mich mit Rucksack und Stöcken leise aus dem Hotel. Um Punkt 6 Uhr überquere ich die Startlinie, es geht über eine Brücke und dann raus aus dem Dorf hoch auf den Wanderweg nach Wengen. Steil. Und kurvig. Und immer weiter den Berg hoch. Was immerhin bedeutet, dass es sehr schnell sehr viel Aussicht gibt, wenn es schon höllenanstrengend ist. So bleibe ich immer mal wieder stehen, um zu gucken. Naja, und um nach Luft zu ringen. Nach gefühlt endlos vielen Kurven und noch mehr Kurven und zwei Eseln ist dann Wengen erreicht, und ich habe gar nicht so lange gebraucht wie gedacht. Also weiter, immer den blauen Wegweisern nach. Es bleibt steil, geht jetzt aber geradeaus den Weg hoch, entlang der Bahnstrecke und über eine Kuhweide, durch Wald und Wiesen und schliesslich vorbei an der Wengernalp.

Unterwegs bestaune ich immer wieder das eindrucksvolle Bergpanorama, wenn ich nicht gerade mit Atmen beschäftigt bin. Es fehlt inzwischen nur noch das letzte Stück bis zur Kleinen Scheidegg, ich habe immer noch ein bisschen Zeit, und jetzt will ich sowieso unbedingt bis ganz nach oben. Langsam kommt die Sonne hinter den Bergen hervor und bescheint die hochalpine Landschaft. Dann erreiche ich tatsächlich das Ziel, freue mich sehr und staune über die 2:16:00, die ich gebraucht habe. Da das Hotelfrühstück lockt, halte ich mich aber nicht lange oben auf, sondern steige in die wartende Bahn und lasse mich gemütlich wieder runterfahren. Pünktlich zur letzten Frühstücksrunde bin ich wieder im Hotel und erhole mich bei einer grösseren Menge Croissants mit hausgemachter Erdbeerkonfitüre, Birchermüesli, Obstsalat und heisser Schokolade. Morgenläufer:innen sind nicht ohne Grund in der Hotellerie sehr gefürchtet.

Schon auf der Zugfahrt nach Hause wurmt es mich dann aber natürlich sehr, dass ich keinen Ranglisteneintrag habe. Und so plane ich ein wenig hin und her, melde mich ein zweites Mal an und beschliesse, in drei bis vier Wochen nochmal einen Versuch zu starten. Bis dahin nutze ich jede freie Minute, um mich mit dem Rad den Jurasüdhang hochzukämpfen, zu schwimmen und langsam auch wieder ein wenig zu laufen. Weil mir die Wanderstöcke zu schwer für eine Tempowanderung und meine Walkingstöcke zu unhandlich für eine Bahnfahrt sind, bestelle ich mir ausserdem faltbare Trailrunning-Stöcke. Ausrüstung ist schliesslich alles! Und auch der hausgemachte „Tiroler Nusskuchen“ von unserem kleinen Bioladen schafft bestimmt eine gute Grundlage für einen Berglauf.

Ende August geht es dann so vorbereitet nochmal nach Lauterbrunnen. Es ist der vorerst letzte schöne und warme Tag, und ich nehme sehr früh am Morgen einen der ersten Züge, um trotz Anreise noch am Vormittag laufen zu können. In Interlaken mache ich Zwischenstation für Espresso, Gipfeli, Banane und Energieriegel, bevor mich die Zahnradbahn hoch nach Lauterbrunnen rumpelt. Am Bahnschalter hole ich mir die Startnummer und stelle mein Gepäck an der Hotelrezeption ab. Die nächste halbe Stunde verbringe ich mit Umziehen und Packen vom Laufrucksack, mit Sonnencreme und der Befestigung der Startnummer, und natürlich muss ich noch dreimal auf die Toilette. Dann aber mache ich mich kurz vor 10 Uhr endlich auf den Weg. Der freundliche Hotelchef wünscht mir noch viel Erfolg, draussen wärme ich mich ein paar Schritte auf und trappse dann sehr aufgeregt runter zum Start.

Dort kommt gerade ein Läuferpärchen um die Ecke. Ich freue mich, dass ich nicht alleine unterwegs bin, winke den beiden zu, höre das Piepsen der Zeiterfassung und dann geht es los, nochmal hoch auf den Berg. Ich versuche, mich so schnell wie möglich vorwärts zu bewegen, und trotzdem noch irgendwie Luft zu bekommen. Die Strecke ist immer noch sehr steil und immer noch sehr kurvig, und sehr schnell ist mir so heiss, dass ich auf den Weg tropfe. Es geht wieder an den beiden Eseln vorbei, durch Wengen durch, und schon längst hat mich der Läufer von dem Pärchen überholt.

Weiter geht es durch die blühenden Almwiesen. Die Wander:innen gucken amüsiert, wenn ich vorbeischnaufe, die Kühe wirken eher gelangweilt. Durch den späteren Start scheint diesmal die Sonne auf die Strecke, und das Panorama mit den schneebedeckten Viertausendern ist noch grossartiger als beim ersten Mal. Ich freue mich über ein paar wenige Meter, die ich laufen kann, und muss dann aber sehr schnell wieder aufs Marschieren wechseln, es ist einfach zu steil für mich. Das macht mich nicht sehr glücklich, ich komme mir fürchterlich langsam vor und allmählich befürchte ich, dass es für mein selbstgestecktes Zeitziel von unter zwei Stunden nicht reichen wird.

Hinter der Wengernalp überholt mich dann auch die Läuferin von dem Pärchen, das kurz nach mir gestartet ist. Ich versuche, an ihr dranzubleiben, muss sie aber dann schnell ziehen lassen. Immerhin bleibt sie in Sichtweite. Mir ist sehr, sehr heiss, und am liebsten würde ich mich jetzt irgendwo ins Gras legen und nicht mehr bewegen. Dann kommt von oben die Bahn angefahren, und ich rechne kurz und stelle fest, dass es doch noch etwas werden könnte mit dem Zeitziel. Also gebe ich nochmal alles, und endlich kommt das Ziel in Sicht, es piepst, der Blick auf die Uhr zeigt unfassbare 1:44:20, das Läuferpärchen gratuliert und ich lasse mich ins Gras fallen, strecke alles von mir und blinzle einfach nur noch in die Sonne und atme.

Nach einer ausgiebigen Ruhepause im Gras gehe ich dann die letzten Schritte hoch zur Kleinen Scheidegg, hole mir im Kiosk zwei Packungen Fruchtsaft und einen Schoko-Erdnuss-Riegel, inhaliere alles und so langsam geht es mir wieder gut. Also spaziere ich noch ein bisschen ziellos umher, entdecke weitere Läufer:innen vom „Supporter Run“, und gucke mir den Fallbodensee und die berühmten Moräne der Strecke vom Jungfrau-Marathon an. Nebendran stürzt gerade eine Lawine den Berg hinunter, und ja, der Weg auf der Moräne ist schon sehr schmal und kraxelig. Aber ich schaffe es heil ein Stück weit hinunter und auch wieder hinauf.

Zurück auf der Kleinen Scheidegg wandere ich dann weiter auf dem Panoramaweg hinüber zum Männlichen. Die Berge leuchten, überall sind Kuhglocken zu hören und es ist schon sehr schön hier oben. Natürlich muss ich dann auch noch zur Aussichtsplattform hochklettern, von der aus man die Juraberge sehen kann, auf denen ich sonst unterwegs bin. Runter geht es dann mit der Seilbahn nach Wengen. Und weil der Zug nach Lauterbrunnen erst ein bisschen später fährt und es in Bahnhofsnähe einen kleinen Laden gibt, finde ich noch heraus, dass in meinem Laufrucksack Platz für eine Melone ist. Später lege ich dann auf dem Balkon vom Hotelzimmer die müden Beine hoch, esse Melone und einiges mehr, und höre zufrieden und glücklich dem Fluss zu.

Danke an das Organisations-Team vom Jungfrau-Marathon für die tolle Aktion!

Kürbiskern-Dinkel-Brot

Im März haben alle wegen Corona plötzlich Mehl und Hefe gekauft und hatten Zeit zum Brotbacken. Ich auch, und so habe ich das „Schnelle Dinkelvollkornbrot (Glücksbrot)“ von Utas Glück ausprobiert und backe es seither ebenfalls regelmässig. Das schöne daran ist nicht nur die einfache Herstellung, sondern auch, dass man es ganz nach Belieben abwandeln kann – für den Anteil der 150 g aus Nüssen und Samen kann man Kürbiskerne, geschrotete Leinsamen, Sonnenblumenkerne, Sesam, Walnüsse, Haselnüsse, Mandeln und ähnliches verwenden.

Inzwischen backe ich es mit deutlich weniger Hefe (die anderen drei Würfelviertel friere ich jeweils ein) und lasse den Teig dafür lieber eine Zeitlang gehen, und da Dinkel mit etwas Vitamin C besser backbar ist, kommt bei mir meistens auch noch etwas Zitronensaft dazu. Wer es einfacher haben will, hält sich an das Rezept bei Uta.

Zutaten

450 bis 500 ml lauwarmes Wasser
10 g Hefe
Eventuell Saft einer halben Zitrone (dann entsprechend weniger Wasser)

500 g Dinkelvollkornmehl
100 g gemahlene Kürbiskerne
50 g geschrotete Leinsamen
15 g Salz
2 EL Apfelessig

Kürbiskerne und Hafer- oder Hirseflocken zum Bestreuen

Zubereitung

Die Hefe im lauwarmen Wasser auflösen. Alle Zutaten in eine Schüssel geben, zu einem Teig verarbeiten und gut kneten. Den Teig zu einem Ball formen, in eine leicht bemehlte Schüssel legen und zugedeckt etwa eine Stunde gehen lassen.

Den Teig dann auf eine gut bemehlte Arbeitsfläche legen, an allen vier Seiten auseinanderziehen, wieder Überklappen und sanft in eine runde Form tätscheln („falten“). Nochmals 5 Minuten entspannen lassen. Erneut zu einem Ball falten, etwas in die Länge ziehen und mit der glatten Seite nach unten in eine Kastenform (30 cm) geben. Eventuell noch mit Kernen und Flocken bestreuen und diese etwas festdrücken. Mit einem Küchentuch bedecken und eine weitere Stunde gehen lassen.

In der Zwischenzeit auf die unterste Backofenschiene ein Backblech hängen, auf die zweitunterste ein Gitterrost. Den Ofen auf 250 Grad vorheizen, das dauert je nach Ofen etwa 30 Minuten!

Nach Ende der Gehzeit die Form auf das Gitterrost im Backofen stellen. 1 Minute auf 250 Grad backen. Dann einen kleinen Becher kochendes Wasser auf das untere Backblech schütten (VORSICHT, sehr heisser Dampf!) und die Tür schnell wieder schliessen. 5 Minuten auf 225 Grad weiterbacken. Die Ofentür kurz öffnen, den Dampf entweichen lassen und das Backblech entfernen. 35 Minuten bei 190 Grad fertigbacken.