Tagebuch

Kuchen, Kühe und ein Berglauf

Anfang Juni 2020 wird nach den Frühjahrs-Laufveranstaltungen auch der für September geplante Jungfrau-Marathon wegen Corona abgesagt. Aber das Organisations-Team hat sich etwas einfallen lassen und bietet den „Jungfrau-Marathon Supporter Run“ an: Von Juni bis Oktober gibt es eine ausgeschilderte Strecke mit fest installierter Zeitmessung von Lauterbrunnen auf die Kleine Scheidegg. Es geht 9 Kilometer mit 1225 Höhenmetern den Berg hoch, zum Teil auf der Strecke vom Jungfrau-Marathon, zum Teil auf Wanderwegen, mit Startnummer und für jedes Tempo geeignet. Der Erlös geht an die vielen Vereine, die sonst helfen, den Jungfrau-Marathon auf die Beine zu stellen.

Das ist genau das Richtige für mich, denn es braucht kein so umfangreiches Training wie für einen Marathon und ins Berner Oberland wollte ich sowieso, nachdem der eigentlich geplante Ausflug an die Ostsee ebenfalls wegen Corona ausfällt. Ausserdem kann ich damit die Strecke vom Jungfrau-Marathon ausprobieren und schauen, ob ich als Höhenangsthase mir diesen in einem der nächsten Jahre zutrauen würde. Also schiebe ich Ferienwochen umher, reserviere mir für zwei Tage Anfang August ein schönes Hotelzimmer in der Nähe der Startlinie, und stürze mich begeistert ins Bergtraining. Die Bergbahnen dürfen inzwischen wieder fahren, und so kann ich unseren Hausberg am Jurasüdfuss nutzen: erst hochmarschieren, dann mit einer Gondel wieder runterfahren. Von oben hat man dazu eine herrliche Aussicht auf das Berner Oberland. Naja, bei gutem Wetter jedenfalls. Was nicht so oft vorkommt.

Anfang Juli passiert dann das, was nicht passieren sollte: Bei einem eigentlich völlig unspektakulärem Trainingslauf habe ich erst ein komisches Gefühl in der Wade, und ein paar Schritte später ist es dann schon zu spät: Muskelzerrung mit leichtem Muskelfaserriss. Fluchend humpele ich noch die drei Kilometer nach Hause und weiss schon, was mir der Physio mit strengem Blick später bestätigt: vier Wochen Laufpause und damit kein „Supporter Run“ wie geplant. Aber Wandern soll ja auch schön sein, und so entscheide ich mich, trotzdem zu fahren, behalte die Hotel-Reservierung und versuche, meine Wade mit den entsprechenden Übungen, leichtem Alternativtraining und gutem Zureden zur schnellen Heilung zu motivieren.

Anfang August kann ich zumindest wieder schmerzfrei gehen, und so packe ich die Wandersachen und fahre ins Berner Oberland. Es regnet, ich spaziere schlecht gelaunt erst durch Interlaken und dann an den vielen Wasserfällen vorbei durch das Lauterbrunnental, und die Murmeltiere gucken genauso unbegeistert wie ich. Zum Glück ist für die nächsten Tage besseres Wetter angesagt, und tatsächlich, am nächsten Morgen leuchtet die Sonne vom strahlend blauem Himmel. Nach dem Frühstück fahre ich daher mit der Gondelbahn hoch auf die Grütschalp und verbringe einen herrlichen Tag auf dem Mountain View Trail. Von dort aus kann man auch auf die Strecke vom „Supporter Run“ herunter­se­hen, und hui, das ist schon eine sehr lange Strecke, und alles nur bergauf… Und warum das Stück hoch nach Wengen „Die Wand“ genannt wird, verstehe ich dann jetzt auch.

Abends zurück im Hotelzimmer schaue ich mir die Karte, die Haltestellen und den Fahrplan der Wengernalpbahn an, und rechne und überlege, ob ich doch noch morgen vor dem Frühstück auf die Strecke gehen soll. Zumindest bis Wengen müsste ich es eigentlich schaffen. Vielleicht auch ein Stück weiter. Oder sogar ganz nach oben? Kurz denke ich darüber nach, mir doch noch die Startnummer abzuholen, aber dazu müsste ich mich nochmal aufstehen, und zudem halte ich es für eher unwahrscheinlich, dass ich es bis ins Ziel schaffe. Und ein DNF auf der Rangliste möchte ich keinesfalls. Meiner Wade geht es nach dem Wandertag aber immerhin erstaunlich gut, also packe ich meine Sachen zusammen und lege alles für eine frühe Wanderung parat.

Am nächsten Morgen stehe ich mit der beginnenden Dämmerung auf, esse eine Banane und einen Energieriegel, stelle meine Gepäcktasche an der Rezeption ab und schleiche mich mit Rucksack und Stöcken leise aus dem Hotel. Um Punkt 6 Uhr überquere ich die Startlinie, es geht über eine Brücke und dann raus aus dem Dorf hoch auf den Wanderweg nach Wengen. Steil. Und kurvig. Und immer weiter den Berg hoch. Was immerhin bedeutet, dass es sehr schnell sehr viel Aussicht gibt, wenn es schon höllenanstrengend ist. So bleibe ich immer mal wieder stehen, um zu gucken. Naja, und um nach Luft zu ringen. Nach gefühlt endlos vielen Kurven und noch mehr Kurven und zwei Eseln ist dann Wengen erreicht, und ich habe gar nicht so lange gebraucht wie gedacht. Also weiter, immer den blauen Wegweisern nach. Es bleibt steil, geht jetzt aber geradeaus den Weg hoch, entlang der Bahnstrecke und über eine Kuhweide, durch Wald und Wiesen und schliesslich vorbei an der Wengernalp.

Unterwegs bestaune ich immer wieder das eindrucksvolle Bergpanorama, wenn ich nicht gerade mit Atmen beschäftigt bin. Es fehlt inzwischen nur noch das letzte Stück bis zur Kleinen Scheidegg, ich habe immer noch ein bisschen Zeit, und jetzt will ich sowieso unbedingt bis ganz nach oben. Langsam kommt die Sonne hinter den Bergen hervor und bescheint die hochalpine Landschaft. Dann erreiche ich tatsächlich das Ziel, freue mich sehr und staune über die 2:16:00, die ich gebraucht habe. Da das Hotelfrühstück lockt, halte ich mich aber nicht lange oben auf, sondern steige in die wartende Bahn und lasse mich gemütlich wieder runterfahren. Pünktlich zur letzten Frühstücksrunde bin ich wieder im Hotel und erhole mich bei einer grösseren Menge Croissants mit hausgemachter Erdbeerkonfitüre, Birchermüesli, Obstsalat und heisser Schokolade. Morgenläufer:innen sind nicht ohne Grund in der Hotellerie sehr gefürchtet.

Schon auf der Zugfahrt nach Hause wurmt es mich dann aber natürlich sehr, dass ich keinen Ranglisteneintrag habe. Und so plane ich ein wenig hin und her, melde mich ein zweites Mal an und beschliesse, in drei bis vier Wochen nochmal einen Versuch zu starten. Bis dahin nutze ich jede freie Minute, um mich mit dem Rad den Jurasüdhang hochzukämpfen, zu schwimmen und langsam auch wieder ein wenig zu laufen. Weil mir die Wanderstöcke zu schwer für eine Tempowanderung und meine Walkingstöcke zu unhandlich für eine Bahnfahrt sind, bestelle ich mir ausserdem faltbare Trailrunning-Stöcke. Ausrüstung ist schliesslich alles! Und auch der hausgemachte „Tiroler Nusskuchen“ von unserem kleinen Bioladen schafft bestimmt eine gute Grundlage für einen Berglauf.

Ende August geht es dann so vorbereitet nochmal nach Lauterbrunnen. Es ist der vorerst letzte schöne und warme Tag, und ich nehme sehr früh am Morgen einen der ersten Züge, um trotz Anreise noch am Vormittag laufen zu können. In Interlaken mache ich Zwischenstation für Espresso, Gipfeli, Banane und Energieriegel, bevor mich die Zahnradbahn hoch nach Lauterbrunnen rumpelt. Am Bahnschalter hole ich mir die Startnummer und stelle mein Gepäck an der Hotelrezeption ab. Die nächste halbe Stunde verbringe ich mit Umziehen und Packen vom Laufrucksack, mit Sonnencreme und der Befestigung der Startnummer, und natürlich muss ich noch dreimal auf die Toilette. Dann aber mache ich mich kurz vor 10 Uhr endlich auf den Weg. Der freundliche Hotelchef wünscht mir noch viel Erfolg, draussen wärme ich mich ein paar Schritte auf und trappse dann sehr aufgeregt runter zum Start.

Dort kommt gerade ein Läuferpärchen um die Ecke. Ich freue mich, dass ich nicht alleine unterwegs bin, winke den beiden zu, höre das Piepsen der Zeiterfassung und dann geht es los, nochmal hoch auf den Berg. Ich versuche, mich so schnell wie möglich vorwärts zu bewegen, und trotzdem noch irgendwie Luft zu bekommen. Die Strecke ist immer noch sehr steil und immer noch sehr kurvig, und sehr schnell ist mir so heiss, dass ich auf den Weg tropfe. Es geht wieder an den beiden Eseln vorbei, durch Wengen durch, und schon längst hat mich der Läufer von dem Pärchen überholt.

Weiter geht es durch die blühenden Almwiesen. Die Wander:innen gucken amüsiert, wenn ich vorbeischnaufe, die Kühe wirken eher gelangweilt. Durch den späteren Start scheint diesmal die Sonne auf die Strecke, und das Panorama mit den schneebedeckten Viertausendern ist noch grossartiger als beim ersten Mal. Ich freue mich über ein paar wenige Meter, die ich laufen kann, und muss dann aber sehr schnell wieder aufs Marschieren wechseln, es ist einfach zu steil für mich. Das macht mich nicht sehr glücklich, ich komme mir fürchterlich langsam vor und allmählich befürchte ich, dass es für mein selbstgestecktes Zeitziel von unter zwei Stunden nicht reichen wird.

Hinter der Wengernalp überholt mich dann auch die Läuferin von dem Pärchen, das kurz nach mir gestartet ist. Ich versuche, an ihr dranzubleiben, muss sie aber dann schnell ziehen lassen. Immerhin bleibt sie in Sichtweite. Mir ist sehr, sehr heiss, und am liebsten würde ich mich jetzt irgendwo ins Gras legen und nicht mehr bewegen. Dann kommt von oben die Bahn angefahren, und ich rechne kurz und stelle fest, dass es doch noch etwas werden könnte mit dem Zeitziel. Also gebe ich nochmal alles, und endlich kommt das Ziel in Sicht, es piepst, der Blick auf die Uhr zeigt unfassbare 1:44:20, das Läuferpärchen gratuliert und ich lasse mich ins Gras fallen, strecke alles von mir und blinzle einfach nur noch in die Sonne und atme.

Nach einer ausgiebigen Ruhepause im Gras gehe ich dann die letzten Schritte hoch zur Kleinen Scheidegg, hole mir im Kiosk zwei Packungen Fruchtsaft und einen Schoko-Erdnuss-Riegel, inhaliere alles und so langsam geht es mir wieder gut. Also spaziere ich noch ein bisschen ziellos umher, entdecke weitere Läufer:innen vom „Supporter Run“, und gucke mir den Fallbodensee und die berühmten Moräne der Strecke vom Jungfrau-Marathon an. Nebendran stürzt gerade eine Lawine den Berg hinunter, und ja, der Weg auf der Moräne ist schon sehr schmal und kraxelig. Aber ich schaffe es heil ein Stück weit hinunter und auch wieder hinauf.

Zurück auf der Kleinen Scheidegg wandere ich dann weiter auf dem Panoramaweg hinüber zum Männlichen. Die Berge leuchten, überall sind Kuhglocken zu hören und es ist schon sehr schön hier oben. Natürlich muss ich dann auch noch zur Aussichtsplattform hochklettern, von der aus man die Juraberge sehen kann, auf denen ich sonst unterwegs bin. Runter geht es dann mit der Seilbahn nach Wengen. Und weil der Zug nach Lauterbrunnen erst ein bisschen später fährt und es in Bahnhofsnähe einen kleinen Laden gibt, finde ich noch heraus, dass in meinem Laufrucksack Platz für eine Melone ist. Später lege ich dann auf dem Balkon vom Hotelzimmer die müden Beine hoch, esse Melone und einiges mehr, und höre zufrieden und glücklich dem Fluss zu.

Danke an das Organisations-Team vom Jungfrau-Marathon für die tolle Aktion!

Kürbiskern-Dinkel-Brot

Im März haben alle wegen Corona plötzlich Mehl und Hefe gekauft und hatten Zeit zum Brotbacken. Ich auch, und so habe ich das „Schnelle Dinkelvollkornbrot (Glücksbrot)“ von Utas Glück ausprobiert und backe es seither ebenfalls regelmässig. Das schöne daran ist nicht nur die einfache Herstellung, sondern auch, dass man es ganz nach Belieben abwandeln kann – für den Anteil der 150 g aus Nüssen und Samen kann man Kürbiskerne, geschrotete Leinsamen, Sonnenblumenkerne, Sesam, Walnüsse, Haselnüsse, Mandeln und ähnliches verwenden.

Inzwischen backe ich es mit deutlich weniger Hefe (die anderen drei Würfelviertel friere ich jeweils ein) und lasse den Teig dafür lieber eine Zeitlang gehen, und da Dinkel mit etwas Vitamin C besser backbar ist, kommt bei mir meistens auch noch etwas Zitronensaft dazu. Wer es einfacher haben will, hält sich an das Rezept bei Uta.

Zutaten

450 bis 500 ml lauwarmes Wasser
10 g Hefe
Eventuell Saft einer halben Zitrone (dann entsprechend weniger Wasser)

500 g Dinkelvollkornmehl
100 g gemahlene Kürbiskerne
50 g geschrotete Leinsamen
15 g Salz
2 EL Apfelessig

Kürbiskerne und Hafer- oder Hirseflocken zum Bestreuen

Zubereitung

Die Hefe im lauwarmen Wasser auflösen. Alle Zutaten in eine Schüssel geben, zu einem Teig verarbeiten und gut kneten. Den Teig zu einem Ball formen, in eine leicht bemehlte Schüssel legen und zugedeckt etwa eine Stunde gehen lassen.

Den Teig dann auf eine gut bemehlte Arbeitsfläche legen, an allen vier Seiten auseinanderziehen, wieder Überklappen und sanft in eine runde Form tätscheln („falten“). Nochmals 5 Minuten entspannen lassen. Erneut zu einem Ball falten, etwas in die Länge ziehen und mit der glatten Seite nach unten in eine Kastenform (30 cm) geben. Eventuell noch mit Kernen und Flocken bestreuen und diese etwas festdrücken. Mit einem Küchentuch bedecken und eine weitere Stunde gehen lassen.

In der Zwischenzeit auf die unterste Backofenschiene ein Backblech hängen, auf die zweitunterste ein Gitterrost. Den Ofen auf 250 Grad vorheizen, das dauert je nach Ofen etwa 30 Minuten!

Nach Ende der Gehzeit die Form auf das Gitterrost im Backofen stellen. 1 Minute auf 250 Grad backen. Dann einen kleinen Becher kochendes Wasser auf das untere Backblech schütten (VORSICHT, sehr heisser Dampf!) und die Tür schnell wieder schliessen. 5 Minuten auf 225 Grad weiterbacken. Die Ofentür kurz öffnen, den Dampf entweichen lassen und das Backblech entfernen. 35 Minuten bei 190 Grad fertigbacken.

Dattel-Walnuss-Brot und Lemon Curd

Das zweite Brot, das ich immer mal wieder backe, habe ich als Nuss-Cranberry-Brot bei „Einfach Guad“ entdeckt, die es wiederrum aus dem Buch „Brot für Genießer“ von Richard Bertinet hat. Von der Weihnachtsbäckerei waren noch Cranberries übrig, Walnüsse waren auch im Haus und schnell geröstet, und auch sonst ist es unkompliziert gemacht.

Inzwischen nehme ich lieber Datteln, weil für mich ihre karamellige Süsse besser passt, und ich habe die Menge deutlich reduziert, damit das Brot nur einen Hauch von Süsse mitbringt. So ist es dann eine schöne Ergänzung für das Sonntagsfrühstück, besonders gut mit selbstgemachtem Lemon Curd (Rezept weiter unten).

Zutaten

500 g Dinkelvollkornmehl
10 g frische Hefe
11 g Salz
360 g Wasser
100 g Walnüsse geröstet
4 bis 5 zerkleinerte Datteln

Zubereitung

Die Nüsse grob hacken. Mehl in eine Schüssel geben und die Hefe hineinbröseln. Salz und Wasser zugeben, sämtliche Zutaten zu einem Teig verarbeiten und gut kneten. Am Ende Trockenfrüchte und Nüsse zugeben und gleichmäßig in den Teig einarbeiten. Den Teig zu einem Ball formen, in eine leicht bemehlte Schüssel legen und zugedeckt etwa eine Stunde gehen lassen.

Den Teig dann auf eine gut bemehlte Arbeitsfläche legen, an allen vier Seiten auseinanderziehen, wieder Überklappen und sanft in eine runde Form tätscheln („falten“). Nochmals 5 Minuten entspannen lassen. Erneut zu einem Ball falten und mit der glatten Seite nach unten in ein gut mit Mehl bestreutes Gärkörbchen legen (wer kein Gärkörbchen hat, nimmt ein Nudelsieb, einen Topf oder ähnliches). Mit einem Küchentuch bedecken und eine weitere Stunde gehen lassen.

In der Zwischenzeit auf die unterste Backofenschiene ein Backblech hängen, auf die zweitunterste ein Gitterrost. Den Ofen auf 250 Grad vorheizen, das dauert je nach Ofen etwa 30 Minuten!

Nach der Teiggehzeit Backpapier auf ein umgedrehtes Backblech legen, den Teig darauf stürzen. Den Ofen öffnen und das Backpapier mit dem Teig schnell auf das Gitterrost ziehen. 1 Minute auf 250 Grad backen. Dann einen kleinen Becher kochendes Wasser auf das untere Backblech schütten (VORSICHT, sehr heisser Dampf!) und die Tür schnell wieder schliessen. 5 Minuten auf 225 Grad weiterbacken. Die Ofentür kurz öffnen, den Dampf entweichen lassen und das Backblech entfernen. 30 Minuten bei 190 Grad fertigbacken.

Zutaten Lemon Curd

50 ml Zitronensaft
Schalenabrieb von zwei Zitronen
2 grosse Eier
90 g Zucker
60 g Butter
1 Prise Salz

Zubereitung

Alle Zutaten im Wasserbad einige Minuten rühren, bis eine puddingähnliche Konistenz entsteht, dabei nicht zu heiss werden lassen. In kleine Gläser füllen, im Kühlschrank aufbewahren und rasch verbrauchen. Das Lemon Curd kann auch gut portionsweise eingefroren werden.

Roggenschrotbrot

Obwohl ich schon immer gebacken habe, habe ich nie Brot gebacken – irgendwie dachte ich all die Jahre, das sei kompliziert und würde in einem Haushaltsbackofen sowieso nichts werden. Dann habe ich im Dezember 2017 Freunde in Berlin besucht, die begeistert vom Brotbacken erzählten und ein selbstgebackenes Brot auftischten. Das war richtig, richtig gut, und so fuhr ich mit einigen Tips und vor allem mit einem Ableger von ihrem Sauerteig im Gepäck wieder nach Hause.

Seither wohnt auch bei mir ein Sauerteig im Kühlschrank und ich backe regelmässig Brot damit. Als erstes habe ich das Brot von Ringelmiez nachgebacken, weil die Erklärungen dort für mich so schön verständlich waren. Weil ich aber lieber ein reines Roggenbrot mit Körnern haben wollte, habe ich ein bisschen weitergesucht und bei Eva ein Roggenschrotbrot der Sauerteig-Expertin Marla entdeckt, das ich seither regelmässig backe. Als Belag passt dazu fast alles, besonders gerne esse ich es mit selbstgemachtem Hummus. Und wenn mal wieder alles doof ist, dann geht es auch gut mit dunkler Schokocreme und Blaubeeren.

Wer selber einen Sauerteig ansetzen und alles über das Thema wissen möchte, schaut am besten bei Lutz vom Plötzblog vorbei – dort finden sich FAQ, Videos, Kurse, Bücher, Rezepte, und auch der empfehlenswerte Podcast.

Sauerteig

180 Gramm Roggenschrot sehr grob
200 ml Wasser 42°C
30 Gramm Anstellgut

Quellstück

85 Gramm Sonnenblumen- und Kürbiskerne geröstet
40 Gramm Leinsamen geschrotet
100 Gramm Wasser 20°C

Brühstück

130 Gramm Roggenschrot sehr grob
12 Gramm Salz
140 Gramm Wasser heiß 70°-90°C

Brotteig

Sauerteig
Quellstück
Brühstück
140 Gramm Roggenvollkornmehl
1/4 Teelöffel Trockenhefe

Zubereitung

Am Vortag morgens das Sauerteig-Anstellgut frisch füttern.

Am Vortag abends den Sauerteig ansetzen. Dafür das Roggenschrot mit warmem Wasser verrühren, dann das Anstellgut unterrühren, die Schüssel abdecken und bei warmer Zimmertemperatur stehen lassen. Ausserdem Brühstück und Quellstück ansetzen und nach dem Abkühlen abgedeckt in den Kühlschrank stellen.

Am Backtag vormittags: Alle Zutaten inklusive Sauerteig, Quellstück und Brühstück zu einem Teig verkneten -> 15 Minuten langsam kneten -> 10 Minuten Teigruhe -> 5 Minuten langsam kneten -> Teigruhe etwa 40 Minuten.

Nach der Ruhezeit den Teig grob zusammenschlagen und in Roggenschrot wälzen, mit dem Schluss nach unten in eine sauerteigfeste Kastenform (30 cm) geben und die Teigoberfläche mit einem nassen Teigschaber oder Löffel glattstreichen. Den Teig nochmals abgedeckt für etwa 60 bis 80 Minuten gehen lassen.

In der Zwischenzeit auf die unterste Backofenschiene ein Backblech hängen, auf die zweitunterste ein Gitterrost. Den Ofen auf 250 Grad vorheizen, das dauert je nach Ofen etwa 30 Minuten!

Nach Ende der Gehzeit die Form auf das Gitterrost im Backofen stellen. 1 Minute auf 250 Grad backen. Dann einen kleinen Becher kochendes Wasser auf das untere Backblech schütten (VORSICHT, sehr heisser Dampf!) und die Tür schnell wieder schliessen. 9 Minuten auf 225 Grad weiterbacken. Die Ofentür kurz öffnen, den Dampf entweichen lassen und das Backblech entfernen. Das Brot weitere 50 Minuten bei 190 Grad fertigbacken.

Backzeit gesamt: Etwa 60 Minuten. Das Brot einen Tag reifen lassen, dann erst anschneiden.

Rotkohl aus dem Ofen

Frau Frische Brise hat den ofengebackenen Rotkohl bei Simone entdeckt und so geschwärmt, dass ich ihn auch gleich ausprobieren musste, abgewandelt mit dem, was in meinem Vorrat zu finden war. Seither mache ich ihn immer wieder gerne auf diese Art, denn im Ofen ist er viel einfacher zuzubereiten als im Kochtopf und mindestens ebenso lecker. Dazu passt, was halt so zu Rotkohl passt – bei mir gibt es meistens Linsenbratlinge und Champignon-Cashew-Sauce dazu.

Zutaten

2 mittlere Köpfe Rotkohl (das sieht nach viel aus, fällt aber später beim Schmoren ziemlich zusammen)
1 süss-säuerlicher Apfel
Saft und Filets einer kleinen Blutorange (oder Saft von 1/2 Zitrone)
Salz, Pfeffer, ein bisschen Paprika
2-3 Esslöffel Rapsöl
1-2 Esslöffel Balsamico

Zubereitung

Den Backofen auf 175°C Umluft vorheizen. Vom Rotkohl die äußeren harten Blätter entfernen, dann den Kopf halbieren, den Strunk entfernen und in etwa 1 cm dicke Scheiben schneiden. Den Apfel entkernen und in feine Scheiben schneiden. Rotkohl- und Apfelscheiben auf zwei grosse Auflaufformen verteilen (das Gemüse sollte eher locker und flach verteilt sein), Salz, Pfeffer, Paprika, Fruchtsaft und Öl drübergeben.

Für etwa 50 bis 60 Minuten backen, zwischendurch einmal umrühren. Idealerweise sind die Ränder des Kohls dann angeröstet und der Rest saftig, der Kohl sollte aber nicht vertrocknen. Aus dem Ofen nehmen und mit etwas Balsamico beträufeln.

Friedrichshainer Linsensalat

Ringelmiez hat den Linsensalat nachgebaut, das halbe Internet hat ihn nachgekocht und auch bei mir wird er fast jede Woche wieder zusammengerührt – grosse Empfehlung! Im Sommer kommen bei mir vor dem Essen noch Salatgurken- und Tomatenstückchen dazu (und wenn es gerade keine rote Bete auf dem Markt gibt, wird sie weggelassen), im Winter werfe ich kleingeschnittenen Chicoree oder Sprossen drüber. Kräuter wie Petersilie oder ein Klecks Pesto passen ebenfalls dazu.

Der Linsensalat hält sich im Kühlschrank etwa drei Tage und kann auch gut portionsweise eingefroren werden.

Zutaten

200 g grüne Linsen (Beluga- oder Berglinsen gehen auch)
2 Mohrrüben
2 bis 3 rote Bete (bereits gekocht oder im Ofen gegart)
1 süß-säuerlicher Apfel (Rubinette, Braeburn, Topaz,…)
1/4 rote Paprika
1 Handvoll Walnusskerne

Saft einer Zitrone
1 knapper Teelöffel Salz
Einge Mühlendrehungen Pfeffer

1 großzügiger Teelöffel Dijon-Senf
1 knapper Teelöffel Ahornsirup
3 Esslöffel Apfelessig
1 Esslöffel Balsamico
3 Esslöffel Rapsöl

Zubereitung

Die Linsen ohne Salz bissfest garen (dauert je nach Sorte etwa 25 Minuten). Die Mohrrüben schälen, halbieren, und in kleine Stückchen schneiden. Etwa 12 Minuten vor Ende der Garzeit zu den Linsen geben. Abgiessen und abkühlen lassen.

Walnusskerne grob hacken. Rote Bete erst in dünne Scheiben, dann in feine Streifen schneiden. Den Apfel vierteln und entkernen (die Schale bleibt dran) und in kleine Stückchen schneiden. Paprika ebenfalls entkernen und in kleine Stückchen schneiden. Alles in eine Schüssel geben, den Zitronensaft, Salz und Pfeffer darüber geben.

Aus Senf, Ahornsirup, Apfelessig, Balsamico und Öl eine Vinaigrette rühren. Mit den Linsen und dem Gemüse vermischen. Vor dem Essen am besten einige Stunden oder über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen.